
Arbeiten unter Gefahr für Leib und Leben
FWI: Werkzeug-Einkäufer sollten verantwortungsvoll handeln
REMSCHEID.- „Wir zeigen auf, dass dort erschreckende Zustände herrschen, die wir in unseren deutschen Betrieben nicht kennen“, so Rainer Langelüddecke, Geschäftsführer des Fachverbands Werkzeugindustrie (FWI). Verheerende Eindrücke aus Produktionsstätten in Billiglohnländern, dokumentiert an Beispielen aus der Volksrepublik China, sind der Anlass für diese Aussage. Zahlreiche Fotos, die dem FWI vorliegen, belegen zudem mangelnde Gesundheitsfürsorge sowie akute Gefahren für Leib und Leben der Mitarbeiter in den maroden Betrieben.
„Weil das Arbeiten an Pressen unter diesen Bedingungen mit einem sehr hohen Verletzungsrisiko verbunden ist, würde es in Deutschland von uns sofort unterbunden“, kommentiert ein Fachmann einer Berufsgenossenschaft aus Düsseldorf einige der aktuellen FWI-Bilder. Katastrophale Arbeitsbedingungen, teils lebensge-fährliches Produzieren, sind exemplarisch für die Sündenfälle von Betriebs- und Arbeitssicherheit in Gesellschaften, die ihre Arbeitnehmer ausbeuten.
Werkzeug verantwortungsbewusst einkaufen
Keine Unfall-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeits-Versicherung sowie nur selten betriebsärztliche Betreuung kennzeichnen die Probleme der Arbeitskräfte in Billiglohnländern. „Man muss sich die Umstände in China einmal vor Augen führen und deren Auswirkungen auf den Lebensunterhalt“, erläutert FWI-Geschäftsführer Langelüddecke. Beim Kauf von Billigwerkzeug und vermeintlichen „Schnäppchen“ sollten sich private Verbraucher sowie gewerbliche Einkäufer dieser Tatsachen bewusst werden. „Ethisch einwandfrei produzierte Markenprodukte beantworten in unseren Breiten neben dem Was auch das Wie des Produzierens“, so Langelüddecke, „aber daran denken in diesen Ländern noch sehr wenige Unternehmen“.
Hohen Standards in Sachen Fürsorge und Sicherheit ist die europäische, allen voran die deutsche Werkzeugindustrie, bereits seit Jahrzehnten verpflichtet. „Das Engagement der Mitarbeiter ist die Basis unseres Erfolges. An sie glauben wir und unterstützen sie“, erläutert Volker Einbeck, Geschäftsführer bei GEDORE in Remscheid, einem der bedeutendsten deutschen Handwerkzeughersteller. Und Mark Liebholdt, Prokurist der Witte Werkzeuge GmbH in Hagen, unterstreicht: „Wegen unserer Mitarbeiterorientierung haben wir beste Werte im Bereich Arbeitsschutz – seit über drei Jahren gab es im Unternehmen keinen meldepflichtigen Arbeitsunfall mehr.“ Und wie sieht der Vergleich aus?
Täglich rund 5500 Tote mangels Arbeitsschutz
Weltweit kommen rund 5500 Menschen täglich am Arbeitsplatz ums Leben oder sterben an einer berufsbedingten Krankheit. Zudem geht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) von einer Million Arbeitsunfällen je Werktag aus. Der Verlust des Augenlichts, Quetschungen oder Abscherungen von Gliedmaßen, Knochenbrüche, Schädelverletzungen und Tod in Folge elektrischer Stromschläge, das sind einige der Beispiele für Unfallfolgen an Arbeitsplätzen in Billiglohnländern.
„Die gesamte elektrische Ausrüstung erscheint für hohe Feuchtigkeits- und Spritzwasserbelastung in den Bereichen beim Nassschleifen nicht ausgelegt zu sein. Die Schleifer benutzen ganz überwiegend keine persönliche Schutzausrüstung, wie Schutzbrille, Handschuhe und entsprechende Arbeitskleidung, etwa Schürzen gegen die üblichen Gefährdungen beim Schleifen. Generell scheint das Tragen von Arbeitskleidung nicht üblich zu sein“, resümiert ein Experte vom Fachausschuss für Metall- und Oberflächenbehandlung einer Berufsgenossenschaft. Auch ihm waren Fotos von chinesischen Werkzeug-Produktionsstätten vom FWI vorgelegt worden.
Internationale Standards durchsetzen
In China prägen strenge Normen einen Teil der „Arbeitsvorschriften“; jedoch stellen sie nichts als zahnlose Papiertiger dar, da Kontrollen und Sanktionen nicht stattfinden. Ein Gesetz über Arbeitssicherheit aus dem Jahr 2003 gibt den Beschäftigten zwar das Recht auf Streik und das Verlassen des Arbeitsplatzes, falls ihre persönliche Sicherheit gefährdet ist. Gleichzeitig führt ein solcher Schritt jedoch zum Verlust des Lebensunterhalts.
"Internationale Organisationen müssen Standards global durchsetzen“, erklärt FWI-Geschäftsführer Rainer Langelüddecke und ergänzt: „Unsere Erfahrungen als deutsche Werkzeughersteller zeigen, dass Qualitätsprodukte nur unter entsprechend guten Bedingungen entstehen. Produktionsstätten mit unwürdigen Arbeitsbedingungen ermöglichen zwar kleine Preise, liefern aber nur Qualitäten, die das Wort nicht verdienen".
Alle Bilder zum Herunterladen: http://www.werkzeugnachrichten.de/bilder/
Dokumentation: Bilddokumentation.pdf
Veröffentlicht am: 2009-12-15
Fachverband Werkzeugindustrie e.V.
Elberfelder Str. 77
42853 Remscheid
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